
Das Stadtbild Tokyos ist geprägt vom Zusammenprall extremer Kontraste, von alt und neu, Tradition und Zukunftseuphorie. Dieses städtebauliche Chaos beflügelt die Phantasie einer ganzen Generation japanischer Architekten. Neben Altmeister Kenzo Tange, der im Wolkenkratzerviertel Shinjuku das neue Rathaus wie eine futuristische Kathedrale gebaut und seit Jahrzehnten das Gesicht der Stadt entscheidend geprägt hat, sind es vor allem die jüngeren Architekten, die frei und ungezwungen verrückte Häuser auf ebenso verrückte Grundstückschnipsel setzen. Es sind Provokationen aus Stein, Alu und Glas, "Unhäuser" mit aufgeplatzten Wänden und durchlöcherten Fassaden. Mit ihrer sinnlichen Qualität, ihrem Hang zur Verspieltheit, sind sie für europäische Vorstellungen von unglaublicher Freiheit. Neben diesen Gebäuden nehmen gigantische Utopien bereits Gestalt an. In der Bucht von Tokyo werden künstliche Inseln aufgeschüttet und Megaprojekte für die "Stadt der Zukunft" entwickelt, visionäre Ideen einer überbevölkerten Metropole. Norman Foster stellt den "Millennium-Tower" vor, einen über 800 Meter hohen Turm, in dem 50000 Menschen leben und arbeiten werden. Roboter sollen diese vertikale Stadt bauen. Der große Architekt und Philosoph Kisho Kurokawa schlägt eine riesige künstliche Insel vor, eine schwimmende Stadt für ein bis zwei Millionen Menschen - futuristische Großprojekte, die schon bald Wirklichkeit werden könnten.