zum shop

VHS

Leihversion & gebraucht kaufen Bei amazon.de kaufen

Arrow Plane - Heinz Emigholz

Genre:
Regie:
Arrowplane ist die Multiplikation eines Kameraschwenks mit sich selbst, angewandt auf drei Landschaften - Wiese, Stadt und Strand.
... das Blut, der Puls, die Blickabweichung, ein Zettel von 1976: Heute zum ersten Mal den eigenen Herzschlag in den Augen gespürt, eine geringe rhythmische Veränderung des Blicks, die eine Arterie nahe des Augapfels erzeugt. Wir liegen mit halbgeöffneten Augen auf dem Rücken, schauen in den Himmel und sehen unter den Wimpern einen Teil seines dunklen Blaus. Über den Wimpern bilden die Augenlider Dias, deren Farbschichten aus frischem Blut bestehen. Die Sonne ist die Projektionslampe, unsere Netzhäute sind Projektionsflächen. Dazwischen die Linsen, die Diesseits und Jenseits trennen wie zwei Arten von Außen. Der Blick, wenn wir die Augen öffnen, läuft auf wechselnden Bahnen und kennt keine definierte Richtung. Nicht zu verwechseln mit dem Betrachten eines Films, auf dem tanzende grains dem starren Blick die Arbeit abnehmen. Um uns herum das Chaos schon eines einzigen Blickfeldes, die Unendlickeit der Punkte im Raum und der Pfeile, die von ihnen ausgehen. Darin die mit Blickgeschwindigkeit stattfindenden Reflektionen zwischen den Dingen, ein instinktiver Ablauf. Blitzschnelle Veränderungen der Blickrichtungen, Schärfefahrten, Vergleiche und Abgleichungen in der Zeit. Zuerst die reine Bewertung, dann das Ding der Betrachtung an sich, dann die ruhende Beziehung, danach das soziale Netz der Wörter, die sich wie nasse Handtücher über die Blickpfeile legen. Doch über die ausgesprochenen Tatsachen hinaus kehren die Blicke in die Augen zurück. Sie verzeichnen den Abgrund, der sich zwischen dem Stamm einer Birke und einer zwanzig Meter davon entfernt errichteten Klinkersteinmauer auftut. Ein Sprung, der sich nicht glätten läßt. Die Abbildung, das gemalte oder projekzierte Bild als Objekt, ist die in diesen Sehprozeß eingeführte modelhafte Vereinfachung. In einer bestimmten Entfernung von den Augen wird eine plane Fläche in den Sehkegel geschoben, auf der das zu Sehende als vorfabrizierte Komposition existiert. Der Blick verläuft auf der Kegelachse, um sie herum erfaßt er die zweidimensionale Bildfläche. Alle Punkte der Fläche liegen annähernd gleich weit von den Linsen der Augen entfernt. Die Arbeit der Schärfefahrten entfällt, die Blicke verlieren sich nicht mehr im Raum. Ihr Ergebnis wird ohne Umwege auf die Retina zurückgespiegelt. Das Denken versucht den Raum so zu begreifen, wie ihn der Bildkonstrukteur auf der Fläche schon einmal durchdacht hat. Wir lesen das Licht eines fremden Blicks, den Text einer für einen Bruchteil von Zeit stillgelegten Retina, den Versuch der Verknüpfung der Unendlichkeit der Bildpunkte mit der Endlichkeit der Farbpigmente. Im so angehaltenen Blick fließen die Energien in beide Richtungen. Die Liebe läßt die Augen blitzen, ein Kunstwerk strahlt zurück. Zu Pelouse, Georges Seurats Kohlezeichnung von 1876 sollten diese Gedanken führen und sind dort nach hundert Jahren immer noch nicht angekommen.
Laufzeit:
16 Minuten
Verleih:
EAN:
xxx

© 2012 DVD-Pilot.de
Friends: Kino - Trailer - Bauen & Wohnen - Yalster - Werbung